Ein Blick hinter die Kulissen: Das Broadcast-Headset HMD 26 im Feldtest
Einer von ihnen ist Jörn Lüders, Toningenieur der deutschen Produktionsfirma TVN. Er hat das HMD 26 im Feldtest ein Jahr lang genau unter die Lupe genommen. Ziel war es, das Headset perfekt auf die Anforderungen im Broadcast-Bereich abzustimmen und selbst an die kleinsten Details zu denken.
Herr Lüders, was für eine Rolle spielen Headsets im Broadcast-Bereich?
"Bei TVN kommen Hör-/Sprechgarnituren jeden Tag zum Einsatz - entweder vor oder hinter der Kamera. Dazu gehören Headsets für Kommentatoren, Kameraleute und Kommandosprechstellen. Bei der täglichen Arbeit spielt die Produktqualität eine entscheidende Rolle. Ein Headset für Kommentatoren muss beispielsweise grundsätzlich erst einmal gut klingen. Tut es das nicht, hat man automatisch einen schlechten Sendeton. Zudem sollte das Mikrofon geräuschkompensierend sein, so dass bei der Übertragung in lauten Umgebungen, wie einem Fußballstadion, die Sprachverständlichkeit jederzeit gut ist. Leider hat man bei Headsets oft das Problem, dass sie suboptimal klingen. Das liegt daran, dass die Mikrofone sehr mittenlastig sind, da die Bässe und Höhen fehlen. Bei einer solchen Mikrofonabstimmung bekommt man sehr wenig von der Atmosphäre mit. Das sollte im Idealfall nicht vorkommen und ist beim HMD 26 optimal gelöst."
Wie lange war das HMD 26 während des Feldtests bei Ihnen im Einsatz und wo haben Sie es überall ausprobiert?
"Das erste Testexemplar haben wir Ende 2008 von Sennheiser bekommen. Wir haben es sofort für eine Live-Übertragung im Fußballstadion an unseren Kommentatorenplatz angeschlossen. Nach diesem ersten Test wusste ich, dass ich das HMD 26 gerne weiter nutzen wollte. Seitdem ist es an den verschiedensten Orten im Einsatz gewesen: Es war während der gesamten Bundesliga-Saison inklusive Meisterfeier dabei, bei Handball-Turnieren, beim Motorsport und mehreren Boxkämpfen. Jeder dieser Übertragungsorte hat aus Sicht eines Tontechnikers ganz eigene Herausforderungen: Bei der Übertragung einer Boxveranstaltung ist beispielsweise der Walk-In vor Beginn des eigentlichen Kampfes die größte Schwierigkeit. Wenn die Musik eingespielt und die Boxer ankündigt werden, ist es in der Halle so laut, dass es schon mal schwierig sein kann, den Ton des Kommentators in guter Qualität durchzukriegen. Selbst diese Aufgabe hat das HMD 26 problemlos gemeistert.
Auch meinen Kollegen habe ich das Headset zum Testen gegeben - nicht nur anderen Toningenieuren, sondern auch verschiedensten Tontechnikern. Die können die Mechanik eines Produkts oft noch besser beurteilen. Schließlich ist es nicht nur wichtig, dass ein Headset erstklassig klingt - es muss auch sehr robust sein. Im Arbeitsalltag machen Hör-/Sprechgarnituren bei uns nämlich einiges mit: Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Headset im Regen liegt, nass in eine Kiste gepackt wird und im schlechtesten Fall dann noch eine Kamera oben drauf kommt. Und trotzdem sollte nichts kaputtgehen oder durchbrechen."
Was hat Sie am HMD 26 besonders überzeugt?
"Im Vergleich zum Vorgängermodell hat sich meiner Meinung nach am Mikrofon am meisten geändert. Klanglich ist es dem des HMD 25 weitestgehend angeglichen, allerdings mit einer wesentlich höheren Geräuschdämpfung. Das hat den Vorteil, dass eine sehr hohe Sprachverständlichkeit erzielt wird - selbst dann, wenn der Kommentator leise spricht. Dies ist sehr wichtig, denn schließlich möchte er nicht durchgehend in einer gleich bleibenden Lautstärke kommentieren, sondern Emotionen transportieren. Auch bei der Richtcharakteristik hat sich etwas getan. Es ist nämlich sehr schwierig, eine starke Richtwirkung umzusetzen und trotzdem noch einen guten, sendefähigen Klang zu erzielen. Das ist beim HMD 26 durch die Hypernieren-Charakeristik sehr gut gelungen.
Selbst Kleinigkeiten spielen für den Ton eine große Rolle - beispielsweise ein guter Windschutz. Da es im Stadion meistens windig ist, hat das oft auch Auswirkungen auf die Tonqualität. Sicherlich kann man ein Mikrofon so im Frequenzgang beschneiden, dass Windgeräusche nicht mit übertragen werden, aber natürlich wünscht man sich optimalerweise alles: beste Abschirmung gegen Wind und einen breiten Frequenzgang. Das meistert das HMD 26 hervorragend.
Gut finde ich auch, dass das Kabel problemlos austauschbar ist. Bei Headsets kommt es durch die starke mechanische Beanspruchung öfter mal vor, dass ein Kabel direkt am Stecker bricht. Muss man es dann erst zur Reparatur einschicken, hat man eine längere Ausfallzeit und natürlich Kosten."
Würden Sie das neue Headset weiterempfehlen?
"Wenn mich jemand fragt, wie ich ein bestimmtes Produkt finde, antworte ich meistens: "Teste es doch mal selbst." So kann man hinterher diskutieren, ohne dass jemand voreingenommen ist. Zum HMD 26 habe ich von anderen Toningenieuren bisher ausschließlich positives Feedback bekommen. Insbesondere die Klangqualität wird immer wieder gelobt.
Die Kommentatoren, die das Headset über mehrere Stunden getragen haben, heben neben dem guten Klang auf dem Ohr vor allem die hohe passive Lärmdämpfung und den Tragekomfort positiv hervor. Oft zum Einsatz kommt auch die einseitig schwenkbare Hörmuschel. Zwar hat der Kommentator die meiste Zeit beide Ohrmuscheln auf, aber die Klappfunktion bedeutet Komfort, denn so kann er selbst bestimmen, wie viel Atmosphäre er von außen aufnehmen möchte.
Natürlich spielt auch der Preis eine Rolle, damit meine ich insbesondere das Preis-Leistungs-Verhältnis. Sehr viele Hersteller bieten etwas günstigere Produkte an. Entscheidend ist für uns aber in erster Linie die Qualität, denn im Broadcast-Bereich muss das Equipment trotz starker Beanspruchung jederzeit zuverlässig funktionieren. Und von der Herstellungsqualität der Sennheiser-Produkte bin ich überzeugt.
So sind bei uns nicht nur verschiedenste Hör-/Sprechgarnituren im Einsatz, sondern auch Drahtlostechnik wie beispielsweise die 3000er und 5000er Serien sowie Atmo-Mikrofone wie das MKH 416, MKH 418-S, MKH 60 und MKH 70. An Ansteckmikrofonen haben wir das ME 102, ME 104 und MKE 2 im Programm. Auch das neue MKE 1 habe ich schon getestet.
Darüber hinaus spielt auch der Service eine große Rolle. Ich arbeite seit zehn Jahren bei TVN und wir haben seit jeher eine sehr gute Beziehung zu Sennheiser. Bei uns landen ganz unterschiedliche Projekte auf dem Schreibtisch - sei es eine Kochshow, eine Konzertaufzeichnung oder die olympischen Spiele - bei denen uns das Sennheiser-Team immer gern berät. Selbst dann, wenn die Ausarbeitung sehr aufwendig ist und aus einem Projekt mal nichts wird. Und natürlich ist es auch schön zu sehen, wenn das eigene Feedback in die Weiterentwicklung eines Produktes mit einfließt - schließlich gehören wir ja zu denjenigen, die die Qualität eines Headsets am besten beurteilen können."
Quelle: Pressemeldung Sennheiser electronic GmbH & Co. KG
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